Mehrfach-Rückhaltesysteme MRS3 und MRS4

Die Mehrfach-Rückhaltesysteme MRS 3 und MRS4 bestehen aus einem Steuergerät, zwei Sensoren zur Erkennung eines Seitenaufpralls, einem Sensor zur Erkennung der Sitzbelegung des Beifahrersitzes (nicht R5x) und Gasgeneratoren zur Zündung der Airbags.

Das Mehrfach-Rückhaltesystem MRS4 ist eine Weiterentwicklung des MRS3 Systems.

Komponenten

Steuergerät

Alle Gasgeneratoren und Sensoren sind mit dem MRS-Steuergerät verbunden. Das Steuergerät erfasst die Daten der Sensoren und wertet diese aus. Bei einem Aufprall im Front- oder Seitenbereich entscheidet die interne Steuergerätelogik, ob eine Airbagauslösung erforderlich ist und welche Airbags gegebenenfalls gezündet werden müssen.

Zur Crasherfassung sind im MRS-Steuergerät Beschleunigungssensor untergebracht, die mit Hilfe von auftretenden Verzögerungswerten die Unfallsituation beurteilen. Bei einem Seitenaufprall werden zusätzlich die externen Seitensensoren (Satelliten) mit bewertet.

Das MRS-Steuergerät überwacht neben sämtlichen Ein- und Ausgängen auch die internen Bauelemente. Mögliche Fehlerzustände werden im Steuergerät nichtflüchtig gespeichert und über die Airbagkontrollleuchte (AWL) dem Fahrer angezeigt.

Zündstromkreise

Das Mehrfach-Rückhaltesystem besteht derzeit - bei maximaler Ausstattung - aus den folgenden 11 Zündstromkreisen:

Airbagkontrollleuchte (AWL)

Die Airbagkontrollleuchte zeigt dem Fahrer die Funktionsfähigkeit des Gesamtsystems MRS an.

Nach dem Einschalten der Zündung startet das MRS-Steuergerät einen Selbsttest. In dieser Zeit (ca. 3-5s) leuchtet die Airbagkontrollleuchte (AWL) und erlischt, falls kein Fehler gefunden wurde.

Erkennt das MRS-Steuergerät während des Tests oder im Fahrbetrieb einen momentan vorhandenen bzw. einen bereits gespeicherten Fehler, leuchtet die AWL dauerhaft.

Gurtschlossabfrage (nur US-Ausführung)

Bei Fahrzeugen mit der US-Ausführung ist eine Gurtschlossabfrage verbaut.

Über einen Schalter im Gurtschloss erhält das MRS-Steuergerät Informationen, ob der Sicherheitsgurt angelegt wurde.

Mithilfe der Gurtschlossabfrage kann das Steuergerät entscheiden, ob die Gurtstrammer bei einem Crash gezündet werden müssen und ob der Airbag mit Stufe 1 (Gurt nicht angelegt) oder Stufe 2 (Gurt angelegt) ausgelöst werden muss.

Satelliten (Sensoren für Seitenairbags)

Die Satelliten sind Sensoren, die im Seitenbereich des Fahrzeugs auf den Quertraversen unterhalb des Fahrer- und Beifahrersitzes angebracht sind. Sie sind über eine Datenleitung mit dem MRS-Steuergerät verbunden.

Im Falle eines Seitenaufpralls kann so eine Auslösung sämtlicher Airbags der stoßzugewandten Fahrzeugseite erfolgen.

Eine Auslösung der Seiten- und Kopfairbags erfolgt jedoch nur, wenn sowohl der Sensor als auch das MRS-Steuergerät eine Beschleunigung erkannt haben.

Bus-Anbindung

Das MRS-Steuergerät ist bei allen Baureihen, in denen ein K-Bus vorhanden ist am K-Bus angeschlossen. Für Baureihen ohne K-Bus (Z3 und Z3 Coupé) gibt es eine Ausführung mit Anschluss an den Diagnose-Bus (TxD-Leitung).

Über den Bus erfolgt die Diagnose und Codierung.

Funktion

Das MRS hat die Aufgabe, mithilfe der Sensoren die Art des Aufpralls festzustellen. Innerhalb von Sekundenbruchteilen werden dann die Informationen ausgewertet, an die entsprechenden Gasgeneratoren weitergeleitet und schließlich die Airbags gezündet.

Anhand der erfassten Beschleunigungswerte wird die Größe eines Aufpralls ermittelt und davon abhängig ein oder mehrere Zündstromkreise gezündet.

ANMERKUNG: Selbst bei extremen Fahrsituationen darf keine ungewollte Airbagauslösung erfolgen.

Frontairbags

Die Frontairbags (Fahrer- und Beifahrerairbag) unterstützen die Funktion der Sicherheitsgurte und vermeiden ein Aufschlagen des Kopfes auf das Lenkrad bzw. die Armaturentafel bei einem Frontaufprall.

Für Fahrer und Beifahrer werden 2-stufige Airbags verwendet.

Abhängig von der erkannten Größe des Aufpralls wird nur die Stufe 1 des Frontairbag oder es werden Stufe 1 und Stufe 2 gezündet. Zwischen dem Zünden der beiden Airbagstufen liegt eine variable Verzögerungszeit, die ebenfalls über die Beschleunigungswerte errechnet wird.

Bei der Länderausführung-US wird zusätzlich unterschieden, ob die Insassen angegurtet sind. Bei nicht gegurteten Insassen werden die Auslöseschwellen herabgesetzt, sodass die Airbags früher in Stufe 1 und Stufe 1/2 gezündet werden.

Seitenairbags und ITS vorne

Die Seiten- und Kopfairbags schützen die Insassen bei einem Seitenaufprall. Der Seitenairbag dient vor allem der Abstützung des Körpers im seitlichen Brustbereich. ITS vorne (ITS = Inflatable Tubular Structure) vermeidet Verletzungen im Kopf- und Halsbereich.

Bei allen Seitenairbags und ITS-Airbags werden die linke und die rechte Fahrzeugseite getrennt behandelt.

Im Falle eines Seitenaufpralls werden alle Seitenairbags und ITS-Airbags der stoßzugewandten Seite gleichzeitig angesteuert.

Gurtstrammer

Der Gurtstrammer sorgt dafür, dass bei einer Kollision der Sicherheitsgurt deutlich fester anliegt und den Körper sicher im Sitz hält. In Sekundenbruchteilen wird das Gurtschloss mithilfe von Gasdruck zurückgezogen, Schulter- und Beckengurt werden dadurch gleichzeitig gestrafft. So wird ein Durchrutschen unter dem Beckengurt weit gehend vermieden.

Die Auslösung der Gurtstrammer erfolgt sowohl bei einem Front-, als auch bei einem Heck-Crash, wenn die Auslöseschwelle für die Gurtstrammerzündung überschritten wurde.

Sicherheitsbatterieklemme (Batterietrennung nur bei R52 / R53)

Zur Reduzierung der Brandgefahr bei einem Frontaufprall wird mit der Airbagauslösung auch der Zündstromkreis Batterietrennung angesteuert.

Dabei trennt ein eigener Gasgenerator (Sicherheitsbatterieklemme) die Hochstrom-Leitung (Klemme 30) von der Startbatterie zum Anlasser/Generator auf.

Das MRS in der Werkstatt

VORSICHT!

Alle Arbeiten am Airbag dürfen nur bei abgeklemmter Batterie durchgeführt werden!

Steuergerät, Sensoren und Gasgeneratoren nur bei abgeklemmter Batterie an- und abstecken!

Das MRS-Steuergerät enthält fahrzeugspezifische Daten und muss vor der Inbetriebnahme codiert werden!

Das Entfernen und der Einbau in anderen Fahrzeugen ist verboten!