Bei der Parkbremse handelt es sich um ein automatisiertes Feststellbremssystem (Elektromechanische Feststellbremse EMF). Die Feststellkraft der Parkbremse wird als elektromechanische bzw. hydraulische Fremdkraft erzeugt.
Das Steuergerät Parkbremse (EMF) steht mit den Steuergeräten der Dynamischen Stabilitäts Control (DSC), der Elektronischen Getriebesteuerung (EGS) und der Digitalen Motorelektronik (DME) mit der Instrumentenkombination über den PT-CAN-Bus in Verbindung.
Das Steuergerät Parkbremse (EMF) erhält über das Steuergerät Car Access System (CAS) das Signal Klemme 15. Eine Aktivierung der Klemme 15 bewirkt den Übergang vom Ruhezustand in den Betriebszustand. Das Steuergerät Parkbremse (EMF) ist codier- und programmierbar.
Das Steuergerät Parkbremse (EMF) ist ein Anbausteuergerät der elektromechanischen Stelleinheit. Die beiden Teile sind im Gepäckraumboden zwischen Reserveradmulde und Rücksitzbank verbaut.
Das Car Access System (CAS) besteht aus dem CAS-Steuergerät und dem elektronischen Zündanlassschalter mit Schlüsselaufnahme und START/STOP-Taste.
Im Car Access System (CAS) sind Funktionen wie Klemmensteuerung, EWS, FB-Telegramm-Auswertung, ZV- und FH-Steuerung zusammengefasst. Das Car Access System (CAS) kommuniziert mit den Türmodulen (TM). Die Türmodule (TM) und das Car Access System (CAS) sind mit der Instrumentenkombination durch den Datenbus K-CAN-PERIPHERIE verbunden.
Die Instrumentenkombination verbindet als Gateway-Modul die Datenbusse PT-CAN und K-CAN PERIPHERIE sowie den Diagnose-Bus.
Mit dem geregelten Stellmotor wird die Bremskraft erzeugt.
Das Getriebe überträgt die vom Stellmotor erzeugte Feststellkraft über den Waagebalken auf die Bowdenzüge. Die gesamte Feststellbremshaltekraft wird rein mechanisch über eine Schlingfeder am Gehäuse abgestützt.
Der Waagebalken sorgt für den Links-Rechts-Ausgleich der Bowdenzüge. Entsprechend der Drehrichtung der Spindel werden die Bowdenzüge über den Waagebalken angezogen oder gelöst.
Die Seilführung in der elektromechanischen Stelleinheit läuft über schwenkbare Seilscheiben. Die Abstützung der Bowdenzug-Reaktionskräfte erfolgt direkt am Gehäuse der Parkbremse.
Der Bedientaster befindet sich in der Instrumententafel links neben dem Lenkrad. Über den Bedientaster sind Feststellen und Lösen der Parkbremse und eine dynamische Notbremsung des Fahrzeugs möglich.
Die Kontrollleuchte zeigt den momentanen Systemzustand der Parkbremse an. Gegebenenfalls werden zusätzlich Hinweistexte an der Instrumentenkombination angezeigt.
Die Funktion der Parkbremse setzt sich zusammen aus der Erzeugung der Feststellkraft durch die DSC-Hydraulik bzw. durch eine elektromechanische Stelleinheit.
Mit Ausnahme einiger Sonderfunktionen werden bei laufendem Fahrzeugmotor alle statischen und dynamischen Feststellbremsvorgänge mit Hilfe der DSC-Hydraulik umgesetzt. Wobei die DSC-Hydraulik auf die Betriebsbremse aller 4 Räder eingreift.
Beim Abstellen des Fahrzeugmotors wird das Feststellen des Fahrzeuges durch die elektromechanische Stelleinheit geleistet. Die elektromechanische Stelleinheit wirkt über konventionelle Bremsbowdenzüge auf die DUO Servo Feststellbremse der Hinterachse.
Die Feststellbremsung ermöglicht es, das Fahrzeug bei abgestelltem Fahrzeugmotor an der Steigung und im Gefälle sicher im Stillstand zu halten. Diese Funktion wird von der elektromechanischen Stelleinheit geleistet. Die von der Stellmechanik erzeugte Bremskraft wird zu gleichen Teilen über Bremsbowdenzüge auf die an der Hinterachse wirkende Duo Servo Feststellbremse geleistet.
Als Halten wird ein Feststellen des Fahrzeugs bei laufendem Fahrzeugmotor bezeichnet. Ein unbeabsichtigtes Wegrollen des Fahrzeuges aus dem Stillstand wird verhindert. Die Haltekraft wird mit Hilfe der DSC-Hydraulik erzeugt und wirkt auf alle vier Betriebsbremsen. Bei laufendem Fahrzeugmotor erfolgen alle statischen und dynamischen Bremsvorgänge der Feststellbremse mit Hilfe der Hydraulik.
Bei jedem Start- und Abstellvorgang erfolgen automatische Funktionsübergänge zwischen der elektromechanischen Stelleinheit und der DSC-Hydraulik.
Die Coachdoorsicherung (CoSi) ist eine erforderliche Sicherheitsvorkehrung bei Fahrzeugen mit sich in Fahrtrichtung nach vorn öffnenden Fondtüren.
Zur Vermeidung von Personen und Fahrzeugschäden muss in bestimmten Fahrsituationen die Parkbremse (EMF) aktiviert werden. Die Aktivierung wird durch das Zusammenwirken mehrerer Steuergeräte und Funktionen (Türmodule hinten, Car Access Systems (CAS), Coachdoorsicherung (CoSi) ausgelöst (siehe Funktionsbeschreibung: Coachdoorsicherung CoSi).
Befindet sich das Fahrzeug in Bewegung (v > 0 km/h) erfolgt bei einer Betätigung des Tasters für die Parkbremse eine definierte Verzögerungsanforderung an die Parkbrems-Schnittstelle des DSC-Systems. Daraufhin wird mit Hilfe der DSC-Pumpe hydraulisch Bremsdruck an allen vier Betriebsbremsen aufgebaut. Bei der Bremsung sind grundsätzlich sämtliche Schlupf-Regel-Systeme aktiv.
Aus Gründen der Verkehrssicherheit wird im Falle einer Notbremsung der nachfolgende Verkehr durch Aufleuchten der Bremslichter gewarnt.
Die Grundeinstellung, der Duo Servo Bremse (Luftspiel) entsprechend der Reparaturanleitung vornehmen.
Nach einem Wechsel der Bremsbeläge der Duo Servo Bremse muss ein Einbremsen durchgeführt werden. Das Einbremsprogramm (Werkstatteinbremsen) ist im DIS-Tester unter den Servicefunktionen zu finden. Die Bereitschaft des Programms wird durch die blinkende rote Parkbrems-Lampe angezeigt. Das Einbremsen kann auf dem Rollenprüfstand oder auf der Straße erfolgen.
Das System kehrt wieder in die Normalfunktion zurück, wenn
- das Programm durchlaufen wurde
- das Programm nicht innerhalb von 30 Minuten durchlaufen wurde
- das Signal Zündung aus kam
- während des Einbremsens ein Fahrwerksregelvorgang ausgelöst wurde
Um die Verfügbarkeit der optimalen Duo Servo Bremswirkung zu erhöhen, wird während des Fahrbetriebs in festgelegten Intervallen ein Einbremsen der Duo Servo Bremse durchgeführt. Das Einbremsen beseitigt eventuelle Korrosionserscheinungen an den Duo Servo Bremsbacken bzw. an den Bremstrommeln. Der Einbremsvorgang wird im Stillstand (z. B. Ampelstopp) automatisch aktiviert. Beim Anfahren werden die Duo Servo Bremsbacken durch leichtes Schleifen gegen die Trommel eingebremst. Bei Erreichen einer bestimmten Geschwindigkeits- bzw. Zeitschwelle wird die Parkbremse wieder gelöst.
Aus Sicherheitsgründen wird der Einbremsvorgang bei Aktivierung von Fahrwerksregelvorgängen (ABS, DSC, ...) sofort abgebrochen. Eine erneute Tasterbetätigung oder Zündung AUS führt ebenfalls zum Abbruch des Einbremsvorgangs.
Verschleiß- und Setzerscheinungen bewirken eine Zunahme des erforderlichen Stellwegs. Mit Hilfe der Hallsensoren des Stellmotors wird der Stellweg gemessen. Als Referenzpunkt zur Ermittlung der absoluten Stellposition dient der Löseanschlag in der Stelleinheit. Bei Überschreiten eines vorgegebenen Grenzwertes wird ein Hinweis an den Fahrer ausgegeben und ein Fehler im Fehlerspeicher abgelegt.
Die Funktionsprüfung der Parkbremse kann auf den üblichen Rollenprüfständen durchgeführt werden.
Näheres ist der Reparaturanleitung der Parkbremse zu entnehmen.
Im Fehlerfall oder bei Ausfall der Energieversorgung ist eine manuelle mechanische Notentriegelung vorgesehen. Über einen direkten Eingriff in die Getriebemechanik der Stelleinheit wird dem Fahrer ein manuelles Lösen der Feststellbremse ermöglicht.
Durch unbeabsichtigte Tasterbetätigung der Parkbremse bevor die Bowdenzüge im Radträger verrastet sind, kann es zu Montageschwierigkeiten kommen. Um die Ansteuerung der Stelleinheit durch Tasterbetätigung zu unterdrücken, ist in der Software der Parkbremse ein Montage Modus installiert. Dieser Modus wird bei der Teileauslieferung aktiviert.
Vor Inbetriebnahme der Parkbremse im Fahrzeug ist der Montage Modus über die Diagnoseschnittstelle zu deaktivieren. Die Ansteuerung über Tasterbetätigung ist dann wieder frei geschaltet.